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Resistenzzüchtung

Autor & Fotos: Dr. Barbara Dathe,
Institut für Obstzüchtung Dresden-Pillnitz

Ziel der Erdbeerzüchtung am Institut für Obstzüchtung Dresden-Pillnitz (Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen Quedlinburg) ist die Resistenz gegen die Bodenpilze Rote Wurzelfäule (Phytophthora fragariae), Rhizomfäule (Phytophthora cactorum) und Verticillium-Welke (Verticillium dahliae bzw. albo-atrum), die im Erwerbsanbau große Schäden verursachen. Besonders anfällig gegen diese Schaderreger sind die Sorten "Elsanta" und "Honeoye", die in Deutschland auf 80 % der Produktionsfläche angebaut werden.
 Das Selektionsprogramm gliedert sich in die Bereiche
  • Resistenztests unter kontrollierten Bedingungen
  • Krankheitsanfälligkeit unter Freilandbedingungen
  • Beurteilung der Qualität
  • Beurteilung des Ertrages.

Resistenztests unter kontrollierten Bedingungen

Gegen Rote Wurzelfäule, Rhizomfäule und Verticillium-Welke werden Resistenztestungen unter kontrollierten Bedingungen nach künstlicher Inokulation der Pflanzen mit dem Erreger durchgeführt. Die eingesetzten Isolate der Erreger stammen aus mehreren Erdbeeranbaugebieten in Deutschland, bei Verticillium beispielsweise ein Gemisch aus 20 verschiedenen Isolaten aus Sachsen und Oldenburg. Bei Resistenztest gegen Rote Wurzelfäule und Rhizomfäule erkranken anfällige Pflanzen nach wenigen Wochen. Schwieriger ist der Resistenztest gegen Verticillium, da Krankheitssymptome erst nach mehreren Monaten auftreten.

Krankheitsanfälligkeit unter Freilandbedingungen

Nach langjährigem Erdbeeranbau auf einer Freilandfläche im Pillnitzer Versuchsfeld besteht ein hoher Befallsdruck durch Verticillium, den man für die Einschätzung der Widerstandfähigkeit umfangreicher Kreuzungspopulationen und der Zuchtklone benötigt.
 Im Freiland erfolgt - ohne Anwendung von Fungiziden - auch die Beurteilung des natürlichen Befalls durch Rhizomfäule, Erdbeermehltau, Weißfleckenkrankheit, Rotfleckenkrankheit und Botrytis. Nur Zuchtmaterial ohne oder nur mit sehr geringem Befall durch Mehltau und Blattfleckenkrankheiten wird weiter geprüft.

Beurteilung von Qualität und Ertrag

Selektierte Zuchtklone, die für den Erwerbsanbau vorgesehen sind, müssen bezüglich ihrer Fruchtqualität folgende Kriterien erfüllen:
  • attraktive, gleichmäßige Fruchtform
  • Fruchtgröße wie "Elsanta" und größer
  • Fruchtfarbe mittleres bis helles Rot
  • Festigkeit wie "Elsanta"
  • gut lagerfähig
  • guter Geschmack (Zuckergehalt in BRIX > 9,0; pH-Wert 3,2 bis 3,6)
  • Nüsschen tiefsitzend
  • Klone mit sehr früher bzw. sehr später Reifezeit sind besonders interessant.
Für den Garten fallen die Anforderungen an die ausgelesenen Klone weniger hoch aus. Auch Zuchtklone mit dunkleren und weniger festen Früchten oder etwas geringerem Ertrag werden akzeptiert, wenn sie hervorragend schmecken.
 Die besten Klone (pro Jahr 3 bis 5) werden in Prüfversuchen mit Wiederholungen auf ihrer Ertragsleistung geprüft. An den Prüfungen beteiligt sich die Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft in Dresden-Pillnitz.

Versuchsergebnisse

Von den geprüften Sorten "Surecrop", "Siletz", "Red Gauntlet", "Delite", "Lateglow" und "Earliglow", die unterschiedliche rassenspezifische Resistenzgene gegen die amerikanischen Rassen von P. fragariae besitzen, vererben nur "Surecrop", "Earliglow" und "Lateglow" Resistenz gegen die aus deutschen Anbaugebieten stammenden Isolate der Roten Wurzelfäule. Daher wurden in den darauf folgenden Jahren als Kreuzungseltern vor allem diese drei Sorten eingesetzt.
 Kreuzungen zur Verticilliumresistenz wurden mit den als nicht anfällig beurteilten Sorten ("Anneliese", "Delite", "Fratina", "Sequoia", Fragaria virginia Klon 87) und mit Sorten geringer bis mittlerer Verticilliumanfälligkeit ("Red Gauntlet", "Korona", "Senga Sengana") durchgeführt.
Resistenztests gegen Rhizomfäule haben großteils zu widersprüchlichen Ergebnissen geführt, so dass für eine Resistenzzüchtung bisher noch keine gesicherte Basis vorhanden ist. An dieser Problematik wird aber intensiv gearbeitet.

Kreuzung und Selektion

Resistenter Klon K14.f1 mit sehr gutem GeschmackJährlich erfolgen 25 Kreuzungen und 4000 bis 6000 Sämlinge werden im Freiland zur Selektion ausgepflanzt. Nur 15 % der Sämlinge werden verklont und weitergeführt, die übrigen muss man aufgrund zu geringer Fruchtgröße, schlechter äußerer oder innerer Qualität und hoher Krankheitsanfälligkeit vernichten.
 Resistente Elternsorten sind häufig qualitativ schlecht und vererben ihre schlechte Qualität auf die Nachkommen, so dass trotz Einkreuzung eines hochwertigen zweiten Kreuzungspartners die Chancen gering sind, Sämlinge mit guter Fruchtqualität zu finden, Ein Beispiel (s. Abbildung) : Einzelfrüchte von 11 Sämlingen der Kreuzung "Surecrop" x "Honeoye", einer Kreuzung, bei der 30 % der Sämlinge resistent gegen Rote Wurzelfäule sind, in der aber Fruchtform und Größe bei einem großen Teil der Sämlinge nicht befriedigen. Das Beispiel verdeutlicht, dass Resistenzzüchtungsprogramme einen größeren Umfang als normalerweise in der Erdbeerzüchtung üblich annehmen müssen, um nicht nur resistente, sondern auch qualitativ wertvolle Sämlinge auslesen zu können.
 In Kreuzungsnachkommenschaften von "Elsanta" und "Honeoye" sind im Durchschnitt 30 % der Sämlinge stark anfällig gegen Verticillium-Welke, auch wenn der andere Kreuzungselter als nicht anfällig gilt. Beste Ergebnisse wurden bei Einkreuzung der Wildart Fragaria chiloensis und der Sorte "Sequoia" erreicht.

Stand der Arbeiten

Früchte von 11 Sämlingen der Resistenzkreuzung "Surecrop" x "Honeoye"Die Arbeiten zur Resistenzzüchtung an Erdbeeren, die im Jahre 1992 begonnen wurden, haben zu einem umfangreichen Material geführt, das Resistenzen gegen Verticillium, Rote Wurzelfäule und Blattkrankheiten besitzt. Es muss in den kommenden Jahren auf Fruchtqualität und Ertrag geprüft werden. Der Umfang des jährlich zur Beurteilung anstehenden Zuchtmaterials ist sehr groß.
  In der 4. Selektionsstufe werden Klone ausgelesen, die für eine Sortenanmeldung in Frage kommen. Da in dieser Stufe 12 Pflanzen zur Beurteilung verfügbar sind, lässt sich auch bereits das Ertragspotential der Klone einschätzen.
 In den letzten Jahren hat sich die Verticillium-Welke zum wichtigsten Schaderreger im Erdbeeranbau entwickelt, so dass Resistenz bzw. geringe Anfälligkeit von neuen Sorten besonders wichtig ist. Deshalb werden die für eine Sortenanmeldung vorgesehenen Klone im 4. Selektionsjahr nochmals auf ihre Widerstandfähigkeit getestet. Bisher fand eine Auswahl von 15 Klonen statt, die den Anforderungen bezüglich Qualität und Resistenz entsprechen. Sie werden zur Zeit in Anbauversuchen im Vergleich mit "Elsanta", "Honeoye" und "Korona" auf Ertrag, Geschmack, Fruchtgröße, Festigkeit, Haltbarkeit und Reifezeitpunkt geprüft.

Literaturhinweis

Umfassende Informationen über die Erdbeere, ihre Inhaltsstoffe, Gesundheitswirkungen, den Heilwert in der Geschichte, Anwendungen, Erdbeerprodukte, Sorten, Erdbeerfeste, Internet-Seiten, botanisch Wissenswertes, Tipps zur Lagerung, zum Umgang in der Küche und pfiffige Rezepte bietet das Buch "Gesund und schlank durch Erdbeeren", Dr. Helga Buchter-Weisbrodt, 128 Seiten, Trias-Verlag Stuttgart. Bitte hierzu auch die Buchkritik beachten.
 
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