Aus dem KRÄUTERBUCH VON JACOBUS THEODORUS "TABERNAEMONTANUS"
(Fortsetzung)
Erdtbeerkrautwasser
FRAGARIAE AQUA STILLATITIA
Die beste Zeit das Erdtbeerkrautwasser zu distillieren ist mitten in dem
Aprillen/ das Kraut mit der Wurtzel unnd den Blumen gesäubert und
klein gehackt/ darnach mit safftigem Fewer in BALNEO MARIAE abgezogen:
dann sol man zu einer jeden Mass dess gemeldten Wassers/ vier untzen dess
gedörrten Krauts/ Wurtzeln und Blumen zu einem groblechtigen Pulver
gestossen/ vermischen/ in BALNEO MARIAE 24.Stunden digeriren lassen/ darnach
zum andern mal distillieren/ folgendts in der Sonnen rectificieren.
Jnnerlicher Gebrauch dess Erdtbeerwassers
Erdtbeerkrautwasser ist kräfftig
die Verstopffung der Leber und dess Miltzes zu eröffnen/ die Geelsucht
zu vertreiben/ die Nieren/ Harngäng und Blasen zu reynigen/ das Griess
und den Nierenstein zu brechen unnd ausszuführen/ allen Morgen und
Abendt/ jedesmal iiii. oder v.loth getruncken/ unnd auch den Wein darmit
vermischt. Reyniget das vvertrucknet und verbrannt Geblüt/ und verhütet
den Aussatz.
Ein gut Wasser von Erdtbeerkraut mit einem Zusatz wieder
die Geelsucht/ dieselbig zu brechen unnd zu vertreiben mach also: Nimb
Erdtbeerkraut mit den Wurtzeln/ Schellkraut mit den Wurtzeln/ Pfrimmenblüth/
jedes gleich viel ein gut theil. Zerhack diese Stück klein/ darnach
distillier sie mit einander vermischt in BALNEO MARIAE. Wann das geschehen/
nimb folgendts zu einer jeden Mass Wassers der gemelten Stück auffgetrucknet
und zu einem grobletigen Pulver gestossen/ lasset die wie nun zum offtermal
gelehrt worden/ digerieren/ dann distilliers zum zweytenmal. Dieses Wasser
bricht die Geelsucht kräfftiglich/ unnd führet sie durch den
Darm auss/ Morgens und Abends jedesmal iiii. oder fünff loth getruncken.
Gleicher Gestalt gebraucht/ treibet es auch den Lendenstein.
Eusserlicher Gebrauch dess Erdtbeerwassers
Erdtbeerkrautwasser reyniget und heylet
die Geschwer der Augen und Augenwinckel/ jederweilen ein Tröpfflein
oder drey dareyn gethan/ unnd die Geschwer offtermals darmit aussgewäschen.
Heylet auch alle Versehrung unnd Schäden dess Mundts/ Zahnfleisches
unnd dess Halss/ den Mund offtermals damit gewäschen und aussgespület/
unnd den Halss damit gegurgelt.
Erdtbeerwasser
FRAGORUM AQUA STILLATITIA
Das Erdtbeerwasser wirdt/ wann die Erdtbeer zeitig
sind/ im Meyen sänfftiglich in BALNEO MARIAE nur einmal abgezogen
unnd darnach in der Sonnen rectificiert/ folgendts wol verwahrt zum Gebrauch
behalten.
Jnnerlicher Gebrauch dess Erdtbeerwassers
Erdtbeerwasser ist ein edel Wasser das
Hertz so von Hitz schwach und kranck ist zu laben und zu stärcken/
derwegen es nicht unbillich zu den Hertzstärckenden Wassern vermischt
und gebraucht wird.
Diss Wasser lescht den Durst/ kület die erhitzigte
Leber/ dient wol in den hitzigen Febern/ unnd leschet alle jnnerliche
Hitz/ bekompt wol der hitzigen entrichtung der Nieren/ reyniget das unsauber
verbrannt Geblüt/ machet weit umb die Brust/ und kület die hitzige
Lungen/ treibet den Harn unnd Griess/ unnd ist eine besondere gute Artzeney
den jenigen so mit dem Aussatz beladen seynd/ unnd denen so ein rot auffzügig
Angesicht haben von erhitzigtem oder verbrannten Geblüt denen sie
sich eine lange Zeit damit auffhalten mögen/ dess Morgens unnd Abendts
jedesmal ein loth iii. oder v. getruncken/ und auch jhren Wein damit gemischet.
Das schwach und blöd ohnmächtig Hertz in
hitzigen Febern zu stärcken unnd die lieblichen Geister zu erquicken:
Nimb Erdtbeerwasser iiii.loth/ Malvasier i.loth/ gepülverte MANUS
CHRISTI Küchlein anderthalb loth/ weissen geriebenen Augstein ein
halbs quint. Vermische gemelte Stück wol durcheinander/ darvon gieb
dem Krancken alle stundt ein Löffel voll zuvor allwegen wol durch
einander gerührt/ du wirst wunderbarliche Kräfft empfinden.
Ein andere art das Erdtbeerwasser zu distillieren/
beschreibet RAYMUNDUS LULLUS im andern Buch/ wie folget: Wolzeitige Erdtbeern
putrificier in einem gläsinen Geschirr/ und distillier darnach ein
Wasser darauss. Dieses Wasser ist ein uberauss köstlich und gesundt
Wasser. Dann erstlich stärcket es sehr die Natur dess Menschen/ treibet
das Gifft gewaltig auss/ bringet den Weibern jhren Monatblumen/ miltert
die Hitz der entzündten Feuchten in dem Menschen/ stärcket die
Empfengnuss. Fürnemlich aber bricht es und vertreibet die Flecken/
die sich newlich in den Augen erhaben von kalter und hitziger Feuchtigkeit
und Flüssen/ doch dass sie noch nicht gar uberhand genommen haben.
Es trucknet auch die Flüss unnd Träher der Augen/ dessgleichen
bringt es wider zu recht das verlohren Gesicht/ unnd machet dasselbig
klar unnd lauter. Ich habe ein Weib gesehen/ welcher viel hitziger Blattern
in jhrem Angesicht von einem Steinwurff entspringen waren/ welche sie
mit grossem der Leuth verwundern/ allein mit anstreichen oder wäschen
dieses Wassers in kurtzer zeit vertrieben hat unnd gesund worden ist.
Die Krafft aber/ Tugend und Wirckung dieses Wassers ist hundertmal kräfftiger
mit gebranntem Wein vermischt/ unnd noch viel mehr/ wann solches mit dem
fünfften Wesen [QUINTA ESSENTIA] dess gebrannten Weins vermischt
wird. Dann dieses Wasser heylet weiter den Aussatz mit der QUINTA ESSENTIA
dess Weins.
Eusserlicher Gebrauch dess Erdtbeerwassers
Erdtbeerwasser von den frischen Erdtbeern
gedistillirt/ heylet das Mundtweh von Hitzen/ dessgleichen die hitzige
versehrung der Keelen unnd dess Halss/ den Mund offtermals damit aussgewäschen
und den Halss wol gegurgelt.
Das Angesicht offtermals darmit angestrichen unnd von
sich selbst lassen trucken werden/ vertreibet die abschäuwliche Röte
und die hitzigen Bläterlein desselben/ unnd leget die hitzige entzündung:
vertreibet auch alle Masen unnd Flecken dess Angesichts.
Die Erdtbeern mit ein wenig Saltz vermischt unnd gedisrilliert/ gibt ein
gutes Augenwasser vor die Flecken der Augen/ dieselbigen darmit zu vertreiben
unnd das dunckel Gesicht zu erklären.
Andere machen ein Erdtbeerwasser auss der gemeldten
Frucht ohn Feuwer zu den Flecken der Augen/ unnd das Gesicht zu erklären/
wie folgt: Sie füllen ein Glas mit Erdtbeern/ verstopffen unnd verbinden
das geheb zu/ und grabens acht Tag in einen Onmeissen Hauffen/ so werden
die Beer zu Wasser/ dass lassen sie darnach sieben oder acht Tag in einem
messinen Becken stehen/ so wird ein hübsch grün Augenwasser
darauss/ das seihen sie ab zum Gebrauch und behalten es in einem wolvermachten
Glass.
Andere nemmen Erdtbeern/ thun die in ein sauber messinen
Becken/ unnd bestreuwen die Erdtbeeren mit Saltz/ unnd setzen es darnach
in einen feuchten Keller auff die sieben oder acht Tag/ so wird es zu
Wasser/ das wirdt gleich wie das forig/ schön und grün/ das
seihen sie ab/ und behaltens zu obgemeltem Gebrauch.
Erdtbeern Syrup
FRAGORUM SYRUPUS
Auss den Erdtbeern machet man auch ein herrlichen
Syrup/ auff folgende weiss: Man nimpt wolzeitige Erdtbeern/ wäschet
unnd reyniget sie sauber/ darnach zerquetschet man sie in einer höltzenen
oder jrdinen Schüssel/ thut sie darnach in ein härin Sieblein/
setzet dasselbige uber ein jrdin Geschirr/ dz Sieblein aber verdecket
man dz kein Staub oder anderer Unrath dareyn fallen möge/ lassets
also von sich selbst ertrieffen/ biss alle dünne Feuchtigkeit herauss
getrauffet ist/ dann diese Frucht ein Schleimigkeit bey sich hat/ dass
sie sich zum Syrup nit ausspressen lasset/ ohne die Schlüpfferigkeit/
welche Expression man nimmer zum Syrup sieden kan/ sintemal dieselbige
von stund an dick wird im sieden wie eine Latwerg. Derwegen muss man darzu
allein den Safft nemmen der von sich selbst her ausserlaufft/ wann man
einen Syrup sieden wil/ desselbigen nimpt man iii.Pfund/ und seudet mit
zwey Pfund Zuckers einen Syrup darauss. Den verscheumpt man und läutert
jhnen im sieden mit einem zerklopfften Eyerweiss wann der nun zu bequemer
dick gesotten und geläutert ist/ seihet man den durch ein wüllin
Tuch/ und behelt den in einem gläsinen oder Porcellan Geschirr zum
Gebrauch/ und soll man sich hüten/ dass man den nicht in einem küpfferin
Geschirr sieden lasse/ noch/ nach dem er gesotten ist in einem zinninen
Geschirr auffhebe/ dann er von wegen der Weinsäure/ die diese Frucht
neben der Süssigkeit in sich haben/ von den beyden Geschirren/ Kupffer
unnd Tinne eine böse/ gifftige Eygenschafft bekommet/ die er darvon
an sich zeucht/ die dem Leibe Schaden zufügen.
Der Syrup kület und leschet alle jnnerliche unnatürliche
Hitz. Soll derowegen von denen insonderheit gebraucht werden/ so umb die
Brust und Lungen entzündet und hefftige Hitz haben/ dessgleichen
welchen die Leber unnd Miltz entzündet ist/ mag wider alle brennendte/
gifftige unnd Pestillentzische Feber und der gleichen hitzigen Kranckheyten
nutzlich gebraucht werden/ dann das hitzige auffsieden dess Geblüts
wirdt darmit gedemmet/ stärcket gemelter Ursach wegen das erhitzigt
Hertz und lebliche Geister/ leschet den Durst in den obgemeldten schnellen/
hitzigen Febern.
Erdbeern Latwergen
FRAGORUM ROB.
Man bereytet auss dem aussgepressten und durchgestrichenen
Safft der Erdbeern ein gute Latwerg mit oder ohne Zucker/ auff folgende
weiss: Man nimbt die Erdbeern wann sie gar wol zeitig seynd/ thut sie
in ein Kesselein oder bequem Geschirr/ setzt die uber ein Kolfewerlein
und zertreibt die Erdbeern mit einem höltzenen Löffel/ rühret
dieselben biss sie anfahen zu sieden/ darnach thut mans vom Fewr/ streichet
sie durch ein Tuch/ die durchgestrichenen Brüh seudet man in einem
besondern Geschirrlein biss es dick wird wie ein Latwerg. Jm sieden aber
muss man es stätig rühren/ damit es nicht anbrenne. Etliche
thun Zucker darzu nach jhrem gefallen/ die haltet sich auch lenger/ dann
die ohn Zucker.
Diese Latwerg ist allen obgemeldten Schwachheiten wie
die in dem Erdtbeer Syrup erzehlet sind/ nützlich zu gebrauchen/
allein vor sich selbst genützet oder mit andern Artzeneyen vermischt.
Man kan auch kräfftige/ gute Saltzen mit ein wenig Wein/ Agrestzucker
unnd Rosenwasser darauss machen/ dieselbige in den obgemeldten Schwachheiten
zu gebrauchen.
Andere sieden auss dem Safft der Erdtbeern ein gestandenen
Safft/ GELATINAM FRAGORUM/ gleich wie den Kuttensafft/ den brauchet man
zun Schlafftrüncken und Bancketen/ wiewol solcher den Krancken viel
nützlicher unnd dienlicher were.
Eingemachte Erdtbeeren mit Zucker
FRAGA SACCHARO CONDITA
Wann man die Erdtbeern mit Zucker eynmachen wil/ muss
man die schönsten ausslesen/ die noch hartelechtig unnd nicht gar
zeitig seindt/ die sol man sauber wäschen/ unnd auff einem Tuch wider
lassen trucken werden/ darnach sol mans in ein Porcellanen oder steinin
Geschirr thun/ unnd ein weissen Feinzucker zu einem dicken Syrup gesotten/
warm darüber schütten/ folgends verdeckt uber Nacht hin setzen.
Dess Morgens sol man den Syrup der gar von dem Safft der Erdtbeern wider
dünn worden ist/ widerumb sieden wie zuvor/ unnd wann er zween Tag
und Nacht darüber gestanden/ sol man jhn wider sieden/ und sol das
so offt thun biss alle Safftigkeit in den Erdtbeern sich in den Zucker
gezogen/ und die Zuckerbrühe nit mehr dünn wirdt.
Die eyngemachten Erdtbeern gebraucht man auch in den
obgemeldten Schwachheiten/ die Krancken darmit zu laben/ wiewol sie auch
heutiges Tages zum Bancketen/ Schlafftrüncken und dem Wollust mehr
gebraucht werden/ dann den Krancken darmit zu Hülff zu kommen.
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