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Aus dem KRÄUTERBUCH VON JACOBUS THEODORUS "TABERNAEMONTANUS":

ERDBEERE - Fragaria - Rosaceae

VON DEM ERDTBEERKRAUT UND FRUCHT

Das Kräuterbuch    Das Erdtbeerkraut hat ein schwartzbraun: unnd zasechtige Wurtzel/ die ist innwendig ein wenig geelfarb oder bleychgeel/ eines zusammenziehenden trucknen Geschmacks wie die Tormentillwurtzel: Von deren stossen die Bletter im Mertzen herfür/ die seynd erstmals runtzelechtig zusammengefalten/ wie der Wiesenklee/ deren findet man nicht mehr dann drey auff einem Stiel. Wann sie sich auffthun und fortwachsen/ werden sie grösser/ schier anzusehen wie die Bletter dess Agrimonienkrauts/ seynd doch breyter und kürtzer/ auff der Seiten gegen der Erden gantz äschenfarb/ runtzelechtig mit vielen Rippen/ ein jedes Blat gerings herumb wie ein Sägen zerkerfft/ gleich wie die Bletter der Bethonien. Dieses Gewächs flechtet weit umb sich hin und wider auff der Erden mit jhren langen/ zarten/ dünnen Fädemen/ welche sich widerumb mit fast kleinen zaserechtigen Würtzelein an den Grundt anhenckt/ und also sich selbst erjüngen und junge Stöcklein herfür bringen. Es gewinnet diss Kraut keine Stengel/ sondern von der Wurtzel wachsen herfür ii. oder iii. langer/ rauher/ haarechtiger Stielgen/ zwischen den Stielen darauff die Bletter wachsen/ die bekommen am oberntheil schöne grüne Knöpfflein/ die thun sich im Aprillen auff/ unnd werden schöne/ weisse/ fünffblätrige Blümlein darauss/ deren Blümlein ein jedes innwendig ein geeles Bützlein oder Aepfflein hat/ auss welchen hernachmals so die weissen Blätlein der Blümlein abfallen/ schöne/ grosse/ rote Beer/ mit vielen kleinen Knöpfflein im Meyen werden/ die seynd innerhalb gantz weiss und voller kleiner Sämlein/ eines süssen anmütigen Geschmacks unnd lieblichen Geruchs. Dieses Kraut wächst in grosser menge in unserem Teutschlandt von sich selbst/ neben den Hecken in den Bergen/ Grassgärten/ grassechtigen Rechen der Weinberg/ und in den Rödern oder abgehawenen Wälden/ hin und wider in sonnreichen Orten. Wiewol aber das gemeldte Gewächs allenthalben häuffig von sich selbst wachsend gefunden wirdt/ wirdt es doch gleichwol der lieblichen/ anmüthigen Frucht halben dieser Zeit gemeinlich in den Lustgärten gezielet/ darinn sie dann viel grösser wachsen/ wie die grossen Brombeern oder Maulbeern.
    Das zweyte Geschlecht/ ist mit Wurtzel/ Kraut und Blumen dem jetztgemelten durchauss gleich/ aussgenommen die Beern oder Frücht werden an diesem schneeweiss/ wie sie an dem andern ort werden/ haben gleich wie die andern ein süssen/ anmütigen Geschmack unnd lieblichen Geruch. Dieses Geschlecht ist nicht gemein in Teutschlandt wie das vorige/ doch wirdt es heutiges tags auch in grosser menge fast in allen Lustgärten gepflantzet/ aber von sich selbst wachsen hab ichs nie gesehen/ Es sol im Schweitzergebirg bey Oberbaden viel wachsen/ wie GESNERUS bezeuget.
    Das dritte Geschlecht ist den jetzt gemeldten gleich/ aber die Bletter seyndt viel haarechtiger oder Wollechtiger dann die Bletter der andern/ unnd auff beiden Seiten äschenfarb/ und glantzend wie die Bletter dess Genserichs. Die Frucht wirdt nicht gantz rot/ sondern bleibet leibfarb/ die seynd am Geschmack fast anmütig unnd lieblich/ die werden im Julio und Hewmonat zeitig. Sie wachsen auff grassechtigen Rechen und Plätzen/ dessgleichen auff den Wiesen/ in dem Wormbsergauw/ da jhrer dann am meisten gefunden werden. Man pflegt auch heutiges Tages dieses Geschlecht in den Lustgärten zur Speiss zu zielen.

Von den Namen dess Erdbeerkrauts und der Erdbeern
    Wiewol das Erdtbeerkraut gantz gemein/ unnd ohn alle Pflantzung im Gebirg/ Rechen der Weinberg und andern Orten hin und wider wächset/ und das nicht allein in Teutschland/ sondern auch in andern Nationen und Provintzen/ kan ich nicht genugsam verwundern/ dass von den alten Griechischen und Lateinischen Artzten/ dieser lieblichen/ unnd wolgeschmackenden Frucht/ zum theil gar nicht/ und zum theil gar wenig gedacht worden ist: dann DIOSCORIDES/ THEOPHRASTUS und GALENUS sampt den andern Griechischen Artzten/ gedencken deren gar nicht/ PLINIUS aber und APULEIUS schreiben so oben hin ein wenig darvon/ so gedencket auch der Poet VIRGILIUS deren Eclog 3. mit folgendem Versus:

QUI LEGITUS FLORES,ET HUMINASCENTIA FRAGA.
Dessgleichen der Poet OVIDIUS METAMORUH,da er also der Erdbeer gedenckt:
MONTANA ? FRAGA LEGEBANT.

Von der Natur/ Krafft/ Wirckung und Eygenschafft dess Erdbeerkrauts und der Erdbeern
    Alle Geschlecht der Erdbeerkreuter sampt jhren Wurtzeln/ seynd zu kühlen und zu trucknen geneigt/ mit einer Astriction oder zusammenziehung. Die Frucht aber oder die Erdbeern seynd die ersten Frücht/ die im anfang dess Sommers kommen/ wehren nicht lang/ verderben bald/ seynd jrer Natur halben kalt und feucht/ bekommen derhalben nicht jedermann wol/ sonderlich aber denen die kalter Natur/ unnd zu faulen Magenfebern geneigt seynd.

Jnnerlicher Gebrauch der Erdbeern und Erdbeerkrauts
    Die Erdbeern seyn ein schöne/ lustige und liebliche/ anmütige Frucht/ dieselbigen gessen/ leschen den Durst/ bekommen wol dem hitzigen und cholerischen Magen/ sind auch denen gut/ die zu viel hitzige Nieren haben. Die soll mit gutem kräfftigem Wein wol erwäschen/ mit gestossenem Zucker/ oder mit einer Zimat Treseneyen uberstreuwen/ und also niessen sich damit zu külen/ und soll man solche allezeit essen vor andern Speisen/ wann der Magen leer ist/ dann diese Speiss bleibet nicht lang/ fürdert den Stulgang und treibet den Harn. Wann man sie aber nach anderer Speiss ist/ wird sie im Magen baldt zerstöret/ und erwecket leichtlich das Feber/ darumb es ein böser Brauch bey uns Teutschen ist/ dass man diese unnd dergleichen kalte Frücht nicht im anfang essens vor anderer Speiss/ sondern allwegen zum Beschluss dess Essens geneusset/ welches dann ein schädlich ding und vieler Kranckheit Ursach ist.
    Es seynd die Erdbeern auch in die Küchen gerathen und darinn bekannt worden/ dann die Köch machen gute/ gesunde Müsslein oder Breylein darauss/ die seynd den hitzigen und febrischen Kranckheiten sehr dienlich/ dann sie eine Speiss unnd Artzeney mit einander seynd/ und kühlen sie fein/ stärcken sie auch/ dann sie auch ein Hertzstärckende Krafft haben/ welches der liebliche/ anmütige Geruch genugsam zu erkennen gibt.
    Ein besonder wunderbarlich ding ist an den Erdbeern wol zu mercken/ dass wiewol sein Kraut hin und wider auff der Erden ligend/ kreuchet und fladert/ und die Schlangen/ Natern oder Viperschlangen/ Blindschleychen/ unnd ander gifftiges Ungeziffer ohn unterlass darauff und darüber kreucht/ die Frucht oder Kraut gleichwol nimmer von jhnen vergifftet worden/ wie auch die tägliche Erfahrung solches bezeuget/ sintemal das Bauwersvolck unnd die Kinder Sommerszeiten diese Beeren abpflücken/ und solche ungewäschen essen/ und jhnen doch niemalen ein einziger Schaden derwegen zugestanden/ welches eine gewisse anzeigung ist/ dass dieses Kreutlein unnd seine Frucht dem Gifft widerstehen.
    Ein gutes Müsslein oder Breylein vor die Krancken von Erdbeern/ macht man also: Nimb wolzeitige Erdbeern/ reinige sie/ und wäsche sie wol auss/ setze sie auff ein Kolfeuwerlein/ thue ein wenig Wein darzu/ und dessen nicht zu viel/ dann die Erdbeern haben vor sich selbst viel Feuchtigkeit bey sich/ rübel ein Brosam von einem Weissbrod darunter/ lass darmit auffsieden/ darnach streichs durch ein sauber Pfeffertuch/ thue es in ein Pfannen oder bequemes Kesselein/ mach es mit Zucker süss nach deinem gefallen/ setze es auff ein Kolfeuwerlein/ und rührs wol/ biss es zu bequemer Dicke seudet/ darnach so richt es an. Dieses Breylein ist fast bequem und dienlich in allen hitzigen Schwachheyten/ insonders aber in den hitzigen Gebrechen der Brust/ dess Magens/ Leber/ Miltzs/ Nieren und Blasen/ unnd kühlet nicht allein die Krancken wol/ sondern es stärcket unnd bekräfftiget sie auch.
    Man macht auch gute Turten von Erdbeern vor die gemeldten Kranckheiten. Etliche machen sie gantz eyn/ mit genugsamem gestossenen Zucker/ unnd ein wenig gestossener Zimmatrinden/ und backen sie also. Etliche streichen sie durch/ mit geriebenem Weissbrodt/ thun ein wenig Butter darzu/ und machens also eyn/ darnach backen sie sie/ und sind auff beyde manier lieblich und anmütig zu essen/ zu dem geben sie gute Stärck unnd Krafft.
    Jn Summa die Erdbeern rohe oder gekocht genützt/ seyndt dem erhitzten Magen ein gute und kräfftige Külung/ und insonderheit denen nütz/ so viel Gallen im Magen haben/ und ein stätige Bitterkeit im Mundt empfinden. Wann man sie aber rohe essen will/ sol man sie wol gewäschen auss einem Wein mit Zucker niessen.
    Etliche essen die mit gesottener Milch unnd Zucker/ welcher gebrauch in Franckreich sehr gemein ist/ und seyndt also genützt anmütig zu essen/ aber sie thun grossen Schaden/ machen faule/ böse Feber/ Krimmen und das Därmgegicht/ derwegen sollen sich die jenigen/ deren jhre Gesundheit lieb ist/ vor dieser schädlichen Kost hüten.
    Die rohen Erdbeern sollen alte/ flüssige unnd kalte Leut vermeiden/ dessgleichen die ein kalten undäwigen Magen haben/ zun Febern/ Krimmen unnd Därmgegicht geneigt seyndt/ dann sie leichtlich solche Kranckheiten erwecken. Wann solche Menschen aber jhnen nicht abbrechen können/ sich solcher Frucht zu enthalten/ sollen sie dieselbigen wol gewäschen auss einem Spanischen Wein oder Malvasier essen. Wo aber diese nicht vorhanden weren/ auss einem guten Reinischen Wein oder Gänssfüsser/ mit einer gewürtzten Treseney besäet.
    Das Erdbeerkraut mag wie andere Küchenkreuter im Frühling wann es noch jung und zart ist/ fast nützlich in der Speiss gebraucht werden/ das ist uber die Mass heylsam unnd gut den Miltzsüchtigen. Das sol man klein hacken mit andern Musskreutern vermischen/ od' ein Händlein voll dieses Krauts mit einem Löffelein voll Habermeel klein hacken/ darnach zum wenigsten ein viertheil Stunden in einer guten Ochsenfleischbrühen oder Hünerbrühen sieden lassen/ und folgends mit oder ohn Brod essen: Gemeldt Süpplein dienet auch in verstopffung der Leber/ Geelsucht und dergleichen Kranckheiten. Dessgleichen den verwunden Menschen/ dann es fürdert die Heylung der Wunden gewaltig von Grundt herauss.
    Erdbeerkraut gestossen unnd den Safft davon aussgeprest/ darvon genommen ii.Untz/ Honig i.Untz/ weissen Pfeffer zu Pulver gestossen ein halbs quintlein. Dieses alles durcheinander vermischt unnd warm getruncken/ ist ein wehrte unnd heylsame Artzeney denen so ein kurtzen und engen Athem haben und stätigs ersticken wöllen. Das sol man brauchen wann es die notturfft erfordert/ so hilfft es baldt.
    Erdtbeerkraut in Wein gesotten unnd mit Honig süss gemacht/ dann durch ein Tuch gesiegen/ unnd Morgends unnd Abendts dieses Trancks/ jedesmal iiii.Untz getruncken/ so warm als es zu leiden ist/ heylet Verwundung unnd Geschwer der Brust.
    Erdtbeerkraut unnd Wurtzeln in Wasser gesotten unnd der durchgesiegenen Brüh dess Tages iii.mal/ jedesmal ein gemeines Tischbecherlein voll getruncken/ leschet die Hitz der entzündten Lebern unnd Miltz/ löset auff die verstopffung derselben/ vertreibet die hitzige Geelsucht/ unnd reyniget die Nieren unnd Blasen.
    Erdtbeerkraut in Regenwasser oder rotem Wein gesotten/ je nach Gelegenheit dess Krancken oder der Kranckheit/ und darvon Morgens unnd Abendts/ jedesmal auff die vier Untzen warm getruncken/ dienet wider die rote Ruhr und den unmässigen Blutfluss der Weiber. Es sollen auch gemeldte Krancken stätig uber das Kraut trincken/ unnd es in jhren Tranck oder Wein legen.
    Dess aussgepressten Erdtbeerkrauts frischer Safft iiii. oder v. Loth mit Honig vermischt/ getruncken/ ist eine gute und heylsame Artzeney dem Miltzsüchtigen. Das thut auch ein Tranck von dem Erdtbeerkraut gesotten/ mit Honig süss gemacht/ und Morgens und Abendts/ jedesmal iiii.untz warm davon getruncken/ das leget den schmertzen dess Miltzes kräfftiglich/ gleich wie der obgemeldte Tranck von dem Safft.
    Erdtbeerkrautwurtzel gesäubert und gereynigt/ deren genommen ein gute Handtvoll/ klein geschnitten/ unnd in einer Mass Wein halber eyngesotten/ durchgesiegen/ und Morgens unnd Abendts/ jedesmal ein Untz oder vier warm darvon getruncken/ das bricht die Geelsucht gewaltig unnd führet sie auss. Dieser Tranck gleicher gestalt getruncken/ reyniget die Nieren/ Harngäng und Blasen/ und führet auss Griess und den Stein.
    Erdtbeerkraut unnd Wurtzel drey Handtvoll in einer Mass Wassers oder Weins vier Stundten lang in einem Kessel mit Wassers in einer Kanten gesotten/ darnach durchgesiegen/ und Abendts und Morgens/ jedesmal ein untz oder iiii. warm getruncken/ löset auff die verstopffung der Nieren/ leget den Schmertzen/ heylet die Geschwer derselbigen/ stopffet den unmässigen Blutfluss der Weiber/ unnd treibet gewaltiglich fort den verstopfften und verhaltenen Harn.
    Wider den Nieren oder reissenden Stein: Nimb ii.Handtvoll Erdtbeerkraut mit den Wurtzeln/ ii. Meerrettich Wurtzeln zerschnitten unnd klein zerspalten/ thu die zwey Stück in ein Kannten/ schütt darüber ein Mass guten weissen Wein/ verlutir den Ranfft der Kannten wol/ und lasse die darnach vier stunden in einem Kessel mit Wasser sieden/ wann die herumb/ dann seihe den Tranck durch ein Tuch/ und trinck Morgens und Abendts/ jedesmal vier Untz warm darvon/ das treibt den Stein gewaltig auss.
    Erdtbeerkraut gedörrt zu reynem Pulver gestossen/ und eins quintlein schwer mit rauhem/ rotem Wein zertrieben unnd warm getruncken/ dient wieder die rote Ruhr unnd alle andere Bauchflüss.
    Erdtbeerkraut frisch und grün mit gutem weissen Wein gestossen/ darnach durch ein Tuch aussgetruckt/ und vier Untzen auff einmal getruncken/ dient wider die Bissz der Schlangen/ Natern oder andern gifftigen Ungeziffer.
    Wann ein Viech von einem Nater oder Schlangen gebissen worden were/ dass es geschwelleäder schütt jm iiii.Loth gepülvert Erdtbeerkraut ein mit warmem Wasser.
    So einer die Feigwartzen hette/ so stoss Erdtbeerkraut/ druck den Safft darauss/ unnd gibt jhm allen Morgen unnd Abendt desselben iiii. oder v.Loth mit Wein zu trincken/ biss er geneusst/ unnd streuwe jhm dess gestossenen Pulvers vom Erdtbeerkraut auff die Feigwartzen.
    Es werden auch auss dem Erdtbeerkraut köstliche gute Wundtränck bereytet/ under welchen der folgend offtermals in den Wunden und Stichen der Brust ist probiert worden/ den mach also: Nimb Erdtbeerkraut iiii.Loth/ heydnisch Wundkraut/ Buchköl/ Buchspick/ Wintergrün/ Sinnauw/ Sanickel/ Ehrenpreyss/ jedes ii.Loth/ Zimmatrinden anderthalb Loth/ Jngber/ Muschatnüss/ Süssholtz/ jedesi.loth/ Wallwurtz ein halb loth/ Zuckercandit iiii.loth. Alle gemelte Stück sol man klein zerschneiden/ darnach in ein Kannte thun/ darüber schütten ein Mass guten fürnen Wein/ frisch Brunnenwasser ein halb Mass. Darnach die Kannten wol verlutieren/ folgendts in ein Kessel mit siedendem Wasser setzen/ unnd vier oder fünff Stunden in stäter Hitz darinn sieden lassen/ dann herauss thun/ und wann der tranck kalt worden ist/ durchseihen/ denselbigen an einem külen ort in einem Glass/ oder Krug wol verwahren/ davon gibt man dem Verwunden allen Morgen unnd Abendt/ jedesmal iiii.loth warm zu trincken.
    Oder: Nimb Erdtbeerkraut anderhalb Handvoll/ Beerwurtz/ Sinnauw/ Wintergrün/ jung Brackendistelkraut/ Nagelkraut/ Rittersporenblumen/ Sanickel/ jedes i.Handvoll. Zerschneide diese Stück klein/ unnd thue sie in ein Kannten/ schütte anderhalb Mass guten Wein oder alt Bier darüber/ verlutier die Kannte/ stelle die in ein Kessel mit siedendem Wasser/ lass vier oder fünff Stunden obgemelter massen darinn sieden/ darnach seihe den Tranck durch/ unnd brauch den wie den obgemelten/ er heylet Wunden und Stich.
    Ein ander nicht weniger dienstlich alle Wunden zu heylen als der vorige/ den mach also: Nimb Erdtbeerkraut zwo Handvoll oder acht loth/ Gochheyl/ Wintergrün/ Egelkraut/ Sinnauw/ jedes iiii.loth. Zerschneid die Kreuter klein/ und seud ein Wundtranck darvon in einer Kannten mit anderhalb Mass Wein oder altem Bier/ wie oben gemeldet/ den soltu auch gleicher Gestalt brauchen.
    Es wirdt auch ein Wundtranck bereytet/ der nicht allein alle Wunden unnd Stich/ sondern auch die Schüss oder geschossene Wunden vom Grundt herauss heylet: Nimb Erdtbeerkraut anderthalb Handvoll/ Beyfuss unnd Blümlein/ Genserichkraut/ klein Monkraut/ Scorzonenkraut unnd Wurtzel/ Gochheyl/ mit den blawen Blumen/ Wintergrün/ jedes i.Handvoll/ der jungen Bletter von den Eglentierrosenstöcken/ Bachbungen/ Liebstöckel/ Betonienkraut/ Meyenblümlein/ die Juncken von den Brombeerhecken/ Baldriankraut/ jedes ein halbe Handvoll: Alle gemeldte Stück soll man klein zerschneiden und wol durcheinander vermischen/ folgendts mit zwey Mass Weins oder altem Bier ein Wundtranck in einer Kannten sieden wie oben gemeldet/ und den zum wenigsten vi. Stunden lang sieden lassen/ darnach durchseihen und dem Verwunden allen Morgen unnd Abendt jedesmal iiii. oder v.loth warm davon zu trincken geben.
    Den Lendenstein zu verzehren unnd allgemächlich ausszuführen/ auch denselben zu verhüten/ dass er nicht wachse/ ist folgende Artzeney manchmal probiert worden/ und ist in Warheit ein fein Experiment/ darzu lieblich unnd anmütig zu gebrauchen/ das bereyt also: Nimb frischer/ wolzeitiger Erdtbeeren auss einem weissen Wein wol gewäschen/ xxxii.Untzen. Wann die wol ertroffen unnd von dem Wein trucken worden seyndt/ so zertreib sie mit einem höltzenen Löffel wol in einem höltzenen Kar oder Schüssel biss sie wie ein Brey werden/ darnach zertreib sie mit einer Mass guten/ gerectificirten/ gebrannten Weins/ thu solche in ein Glass/ vermach das Glass beheb zu dass nichts aussriechen mag/ darvon brauch allen Morgen den gantzen Sommer hinauss nüchtern ein guten Löffel voll/ unnd so offt du diese Artzeney gebrauchen wilt/ so rührs zuvor wol durcheinander/ und brauchs sicherlich.

Eusserlicher Gebrauch dess Erdtbeerkrauts
    Erdtbeerkraut unnd Wurtzel in Wasser oder Wein gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe warm im Mundt gehalten/ und auch damit gegurgelt/ stärcket das Zahnfleisch/ festet die wacklenden Zähn/ heylet alle versehrung dess Mundts/ der Biller unnd dess Halss/ und stillet die Flüss.
    Erdtbeerkrautwurtzeln in der Handt gehalten/ stillet das Bluten der Nasen. Das thut auch das Kraut wann man es in die Nasen thut/ oder wie ein Pflaster uber die Stirn bindet.
    Der frische Safft dess Erdtbeerkrauts heylet allerley Geschwer/ unnd sonderlich dess Angesichts/ dasselbige offtermals darmit angestrichen: Heylet auch die rothen auffziehiche Angesicht und die rothen Blätterlein und Buckeln desselben.
    Wieder die Fäul unnd Verwundung dess Zahnfleisches/ Mundtfäule und faule Löcher dess Halss: Nimb Erdtbeerkraut und Wurtzel ii.Handvoll/ Genserichkraut i.Handvoll/ guten firnen Wein ein halb Mass/ frisch Brunnenwasser ein Aechtmass. Lasse diese Stück sittiglich mit einander den halben Theil eynsieden/ seihe sie darnach durch ein Tuch/ wäsche unnd spüle den Mundt und Zahnfleisch offtermals warm darmit/ es heylet unnd hilfft baldt. Wann aber der Halss verwundet oder voll Löcher ist/ so gurgel offtermals darmit.
    Erdtbeerkraut unnd Wurtzel mit Wein gesotten/ durch ein Tuch gesiegen/ darnach mit Honig gesotten/ wol verscheumpt unnd den Mundt darmit gespület unnd gewäschen/ vertreibet den ubeln Gestanck der Zähn/ und heylet darneben alle versehrung dess Mundts und dess Zahnfleisches.
    Die Halssgeschwer unnd faule Löcher dess Halss zu heylen: Nimb Erdtbeerkrautsafft/ Holtzwurtzsafft/ breyten Wegerichsafft/ jedes drey Loth/ Rosenhonig ein Loth/ Maulbeersafft ein halb Loth/ weissen gepülverten Hundtskot ein quintlein/ vermisch es durcheinander/ und gurgel den Halss darmit.
    Wider das Halssgeschwer Anginam: Nimb Erdtbeersafft/ breyt Wegerichwasser/ jedes acht Untzen/ Rosenhonig ii.untzen/ Maulbeersafft i.untz/ gepülvert Granatenblumen/ gepülverten weissen Hundtsdreck/ jedes i.quintlein. Diese Stück sol man alle wol durcheinander vermischen/ und den Halss warm darmit gurgeln.
    Erdtbeerkrautbletter im Mundt wol gekeuwet/ stillet den Schmertzen der Zähn. Das Kraut und Wurtzel in rauhem Wein oder Essig gesotten/ unnd die durchgesiegene Brühe warm im Mundt gehalten/ thut dessgleichen.
    Erdtbeerkraut gestossen und wie ein Pflaster ubergelegt/ heylet die Spinnenbissz.
    Erdtbeerkraut zu Pulver gestossen/ unnd mit der Salben von Eybischwurtz/ UNGUENTUM EX ALTHAEA genannt/ vermischt unnd wie ein Pflaster temperirt/ vertreibet den Schmertzen der Lenden/ auff ein Tuch gestrichen und uber das schmertzhafft orth geleget.
    Wider die kalte Gegicht unnd Schüss in den Schenckeln: Nimb Erdtbeerkraut/ Chamillenblumen/ Beyfuss/ Wermuth/ jedes ii. guter Handtvoll/ thue gemelte Stück zerschnitten in ein Säcklein/ seuds in halb Wein und Wasser/ damit bad und bähe die Schenckel wol so warm du es erleiden magst/ und leg das Säcklein warm uber das schmertzhafftig Ort.
    Erdtbeerkrautsafft und Granatöpffelsafft/ jedes gleich viel mit ein wenig Rosenwasser vermischet/ warm gemacht unnd Tücher darinn genetzt/ dienet sehr wol den hitzigen Schwellungen und Beulen/ anfänglich darübergelegt.
    Erdtbeerkraut in Wasser gesotten und ein Lendenbad darvon gemacht/ bricht den Lendenstein und führet denselbigen gewaltig auss.
    Erdtbeerkraut von den Stielen und seinen Wurtzeln gereiniget/ ist sehr dienlich wider den roten Aussgang und in andern Bauchflüssen den Hindern damit gewüscht.
Die Wurtzel dess Erdtbeerkrauts unnd Teschelkraut/ jedes gleich viel getrucknet/ unnd zu einem reynen Pulver gestossen/ verstellet das Blut der Wunden/ wann man dessen in die Wunden zedelt oder säet.
    Erdtbeerkrautsafft in die Wunden getraufft oder klein leinine Tüchlein darinn genetzet/ warm in die Wunden geleget unnd das Kraut gestossen wie ein Pflaster darüber gebunden/ hefftet die frischen Wunden/ heylet sie baldt unnd stillet damit das Gliedwasser.


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© Mit freundlicher Genehmigung von Ruedi Fischbacher,
Autor der Homepage KRÄUTERBUCH VON JACOBUS THEODORUS "TABERNAEMONTANUS"

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