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Erdbeeren auf Dämmen

Autor: Reto Neuweiler, Eidg. Forschungsanstalt Wädenswil/CH

An Standorten mit mittelschweren Böden können durch Nässe geförderte Wurzelkrankheiten wie Rhizomfäule, Rote und Schwarze Wurzelfäule in Erdbeerkulturen große Ausfälle verursachen. Auf Dämmen stehende Erdbeerpflanzen unterliegen einem deutlich geringeren Befallsdruck von nässeliebenden Wurzelkrankheiten. Das Problem der vor allem auf leichten, sich rasch erwärmenden Böden auftretenden Verticilliumwelke lässt sich durch Dammanbau nicht entschärfen.
 In mit Folien abgedeckten, 15 bis 40cm hohen Dämmen sind die Feuchtigkeitsverhältnisse ausgeglichen. Überschüssiges Regenwasser fließt in den Zwischenreihenbereich ab. Es entsteht kaum Staunässe. Wenn die Pflanzen am meisten Wasser brauchen (Beginn des Blütenstandschiebens bis nach der Ernte), wird über die unter der Folie liegenden Tropfschläuche gewässert. Dank der Folienabdeckung benötigt man keine Bodenherbizide im Pflanzenbereich. Dammkulturen liefern bedingt durch die höheren Pflanzdichten (4 bis 5,5/m²), bessere Erträge als einreihige Flachkulturen.
 Diesen Vorteilen stehen zusätzliche Kosten für das Erstellen der Dämme, die Beschaffung und Entsorgung der Mulchfolien und Tropfschläuche und die erhöhte Anzahl Jungpflanzen gegenüber. Die Erstellung der Dammkulturen erfolgt meist überbetrieblich mit Spezialdammpflügen und Folienlegegeräten.

Sorgfältige Planung

Doppelreihige Dammkultur in BändchengewebeIn der Schweiz ist der Erdbeeranbau auf doppelreihigen Dämmen bei entsprechend hohen Pflanzdichten stark verbreitet. Die Intensivierung kann aber an Grenzen stoßen. Auf zu dicht bepflanzten doppelreihigen Dämmen bereiten Fruchtfäulen und Blattkrankheiten wie Erdbeermehltau als Folge der schlechteren Durchlüftung größere Probleme als bei einreihigen Dämmen. Die Ernteleistung liegt tiefer als bei Einzelreihen. Im einreihigen Anbau ist es je nach Dammhöhe möglich, herkömmliche Pflückwagen einzusetzen.
 Mit schwarzer Folie bedeckte Dämme erwärmen sich im Frühjahr rascher, so dass die Ernte eine Woche früher einsetzt als bei Flachkulturen mit offenem Boden. nach der Pflanzung und während der Ernte sind die Pflanzen erhöhtem Hitzestress ausgesetzt. Zudem können vermehrt Hitzeschäden an den Früchten auftreten. Ein an der Forschungsanstalt Wädenswil durchgeführter Versuch zeigt, dass die Hitzebelastung auf schwarzer Folie nach der Pflanzung besonders bei Terminkulturen rasch zu Ertrags- und Qualitätseinbußen führt. Sofern man die Kulturen tagsüber nicht fortlaufend durch Beregnung kühlen kann, ist es besser, weiße Folie einzusetzen.
 Auch in Normalkulturen von späten Sorten und in Spätlagen, wo eine Verfrühung der Ernte unerwünscht ist, eignet sich weiße Mulchfolie, deren Unterseite mit einer schwarzen Folienschicht aufgedoppelt ist, trotz ihres höheren Preises besser. Die Ernte beginnt auf weißen Dämmen 2 bis 4 Tage später als auf schwarzen. Trotz der durch die weiße Farbe bedingten tieferen Temperaturen während der Blütenknospenbildungsphase zeigen verschieden Sorten einen leicht höheren Fruchtansatz als auf schwarzen Folien. Vermutlich wird die Umstimmung von der vegetativen (Blatt- und Ausläuferbildung) zur generativen Phase (Kronen- und Blütenknospenbildung) auf weißer Folie frühzeitig eingeleitet.

Kulturablauf

Dammkultur mit schwarzer und weißer FolieDamit sich die aufgeworfene Erde wieder ausreichend setzen kann, sollten die Dämme 2 bis 3 Wochen vor der Pflanzung vorbereitet werden. Je nach Dammlegesystem erfolgen das Formen der Dämme und das Verlegen von Tropfschläuchen und Folie in zwei Arbeitsgängen (kalifornische Dammformsysteme). Niedrige bzw. einreihige Dämme werden in einem Arbeitsgang mit einfachen Dammform-Folienlegegeräten erstellt. Um vorzeitiges Auflaufen von Unkräutern in den Pflanzlöchern zu verhindern, locht man die Folie erst unmittelbar bei der Pflanzung.
 Dammkulturen bestocken sich meist kräftiger als Flachkulturen. Dies ist besonders bei Sorten mit mäßiger Neigung zur Blütenbildung vorteilhaft. Sorten mit hohem Blütenansatz werden auf Dämmen eine Woche später gepflanzt als bei Flachkulturen. Bei Frigosetzlingen und Grünpflanzen mit nackten Wurzeln pflanzt man von Hand auf die Dämme. Für die Pflanzung von Topfsetzlingen eigenen sich Spezialpflanzmaschinen, die nach dem Einstichprinzip arbeiten.

Frost und Fruchtfäulen

Die Temperaturschwankungen auf und in Foliendämmen sind ausgeprägter als bei Flachanbau. Dammkulturen sind im Winter erhöht frost- und austrocknungsgefährdet. Die Folienabdeckung behindert den Wärmeübergang vom Boden in bodennahe Luftschichten. Die Temperaturen im Rhizombereich liegen tiefer als auf offenem Boden, so dass besonders im Spätherbst bei ungenügend abgehärteten Pflanzen leicht Frostschäden entstehen. Auf weißer Folie erreichen die Temperaturen am frühen Morgen noch tiefere Werte. Rechtzeitiges Überdecken von Dammkulturen mit Vlies lohnt sich unabhängig von der Folienfarbe besonders bei frostanfälligeren Frigopflanzen.
 Auch während der Blüte ist die Gefahr von Blütenfrostschäden auf Mulchfolien erhöht. Die Kulturen sind rechtzeitig mit Frostschutzvlies zu überdecken, bei verfrühten Kulturen mit Nachtfrostgefahr mit zwei Vliesschichten.
 Die Dammoberfläche wird in der Regel nicht eingestreut. Es muss unbedingt verhindert werden, dass die Früchte mit den auf der Folie liegenden toten Blättern und Ranken in Berührung kommen. Das abgestorben Herbstlaub ist im Frühjahr herauszuputzen. Dies Maßnahem wirkt vorbeugend gegen Pilzkrankheiten wie Botrytis, Mehltau und Blattfleckenkrankheiten.

Wasser und Dünger

Neupflanzungen auf schwarzer Folie muss man bei sonniger Witterung zur Kühlung wiederholt beregnen, bis sie angewachsen sind. Durch die Folienabdeckung wird die Wasserverdunstung des Bodens bis zu 50% herabgesetzt. Bei doppelreihigen Dämmen werden die Niederschläge recht gut ausgenützt. Im Herbst darf man Wasser daher nur sehr zurückhaltend verabreichen. Vernässte Dämme hemmen das Wurzelwachstum und fördern Wurzelkrankheiten.
 Im Frühjahr reichen bei trockener Witterung bis zum Blütenstandschieben täglich 10 bis 15m³/ha. Der höchste Wasserbedarf liegt kurz vor der Blüte bis nach der Ernte. Bei trockenwarmer Witterung sind dann täglich 30m³/ha nötig.
  Die Nährstoffe P, K und Mg werden vor dem Formen der Dämme breitflächig ausgebracht. In Böden mit einseitiger Nährstoffversorgung verabreicht man die in knappen Mengen vorliegenden Elemente im Erntejahr als Flüssigdüngung.

Geringer N-Bedarf

Die intensive Lockerung des Bodengefüges bei der Dammformung fördert die N-Freisetzung, so dass im Pflanzjahr eine N-Düngung meist nicht nötig ist (Ausnahme Terminkulturen). Die Nmin-Gehalte liegen in den Dämmen deutlich höher als im flachen Boden.
Nmin-Analysen während der Blütezeit liefern wertvolle Anhaltspunkte zur Bemessung der N-Düngung im Erntejahr.
Dabei ist zu beachten, dass durch eine zu großzügige N-Düngung Fruchtfäulen stark gefördert und Festigkeit und Geschmack beeinträchtigt werden. In schwach belaubten Beständen setzt man von Beginn des Blütenstandschiebens bis Ernteende alle zwei Wochen maximal 10kg N/ha in Form von gelösten Harnstoff ein. In wuchskräftigen Beständen mit mittelmäßigem Fruchtansatz darf ab Blütenende kein Stickstoff mehr verabreicht werden.
 
 
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