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Erdbeeren gelten hierzulande als die beliebteste
Beerensorte. Gerade im Frühjahr und Sommer belagern ganze
Familien die weiten Erdbeerplantagen, um die leckeren Früchte
zu ergattern. Andere ziehen den bequemeren Weg des Einkaufs
vor. Ob selbst gepflückt oder gekauft, besonders aromatisch
schmecken Erdbeeren aus biologischem Anbau.
Die Erdbeere (Fragaria) gehört zur Familie der Rosengewächse
(Rosaceae). Sie ist eine Scheinfrucht, denn die eigentlichen
Früchte sind die auf dem Fruchtfleisch sitzenden Nüßchen.
Botanisch gesehen ist sie deshalb eine Sammelnußfrucht.
Die meisten Sorten haben zwittrige Blüten und können
sich selbst befruchten. Sorten, die ungenügend ausgebildete
männliche Blütenorgane besitzen (z.B. Mieze Schindler),
benötigen eine Befruchtersorte mit ähnlicher Blütezeit.
Grundsätzlich wachsen Erdbeeren heute im gemäßigten
Klima auf der ganzen Welt. Am besten gedeihen sie in sonniger
bis halbschattiger Lage auf einem nährstoffreichen, leicht
sauren Boden. Die in Mitteleuropa heimische Walderdbeere wächst
wild in unseren Wäldern, ist aber nicht die Urform der
Gartenerdbeere. Diese ist vielmehr eine Kreuzung aus der in
den chilenischen Anden vorkommenden Erdbeere und der nordamerikanischen
Scharlacherdbeere. Vor ungefähr 200 Jahren wurde sie
nach Frankreich eingeführt und verbreitete sich von dort
aus. Mittlerweile werden mehrere hundert Sorten Erdbeeren
angeboten, die in Größe, Farbe, Beschaffenheit
und Geschmack variieren.
Unterschieden werden einmal- und zweimaltragende Erdbeeren.
Einmaltragende Sorten (z.B. Bogota, Elvira, Fratina, Gorella
oder Havelland) blühen nur unter Kurztagbedingungen,
das heißt, sie entwickeln ihre Blüten nur im Frühjahr,
solange die Tage noch kurz sind. Zwei- oder mehrmalstragende
Sorten (z.B. Machern, Ostara) verhalten sich dagegen tagneutral
- sie setzen also auch während der längeren Sommertage
noch Blüten an.
Erdbeeren bestehen zwar zu 90 Prozent aus Wasser, dennoch
bieten sie ein unvergleichliches Geschmackserlebnis. Verantwortlich
dafür ist ihr Gehalt an Fruchtsäuren, Fruchtzucker
und Aromastoffen. Besonders wohlschmeckend sind Sorten, bei
denen der Zuckergehalt und die Säure in einem harmonischen
Verhältnis stehen. Aber auch die Festigkeit des Fruchtfleisches
und der Saftgehalt beeinflussen den Geschmack.
Die Früchte enthalten viele Vitamine, insbesondere das
abwehrstärkende Vitamin C. An Mineralstoffen haben Erdbeeren
Kalium, Magnesium, Zink, Mangan, Phosphat und Kupfer zu bieten.
Zudem enthalten sie Carotinoide, Gerb- und Farbstoffe. Ihr
durchschnittlicher Energiegehalt liegt bei 33 Kilokalorien
(138 Kilojoule) pro 100 Gramm.
Die Hauptangebotszeit heimischer Erdbeeren ist von Mai bis
August. Zweimaltragende Sorten können bis Frostbeginn
geerntet werden. Das Angebot im zeitigen Frühjahr bzw.
während des ganzen Jahres stammt vor allem aus Italien,
Spanien, Israel oder Übersee, wobei der oft hohe Preis
und der fehlende Geschmack manch einem die Lust auf Erdbeeren
vergehen läßt.
Bio-Erdbeeren: Pflanzenschutz beginnt bei der Sortenwahl
Konventionelle Ware, insbesondere herkömmliche Importware
ist in den meisten Fällen sehr stark belastet. Von der
Saat bis zum Transport und der Lagerung kommen Pestizide,
Herbizide, Wachstumsregler, Harze, Wachse und Düngemittel
zum Einsatz. Im Bio-Anbau wird auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel
und auf mineralische Stickstoffdünger verzichtet. Statt
dessen werden alternative Bearbeitungsmethoden und umweltverträgliche
Mittel eingesetzt, die jedoch einiges mehr an Handarbeit bedeuten.
So setzen Bio-Bauern bei der Unkrautbekämpfung Hackstiegel
und Handhacke ein. Pflanzenschutz selbst beginnt bereits bei
einer angepaßten Sortenwahl und geht über tiefgreifende
Bodenarbeit hin zu einer verhaltenen Stickstoffdüngung,
so daß die Erdbeerpflanze gegen Krankheiten widerstandsfähig
wird. Düngung erfolgt dabei zum einen bereits vor dem
Erdbeeranbau durch die Aussaat von Klee (Leguminosen), der
den Luftstickstoff bindet und ihn später für die
Erdbeeren als Dünger verfügbar macht. Zum anderen
durch das Ausbringen von Bio-Mist oder die Zugabe von organischen
Düngern wie Rizinusschrot, das bei der Ölgewinnung
anfällt.
Zu den wichtigsten Frühsorten im Bio-Anbau zählt
heute Honeoye, bei der Fäulnis kein Problem darstellt.
Weitere Sorten, die eingesetzt werden, sind Kent, Polka, Tenira,
Evita, Rapella und Malling Pandora. Sie bringen hohe Erträge,
überzeugen geschmacklich und sind eher unempfindlich.
Die früher vorherrschende Sorte Elvira oder die mehrmalstragende
Ostara halten der Sommerhitze oft nicht mehr stand. Die Früchte
werden zu weich und häufig bereits an der Pflanze matschig.
Während des Wachstums, der Reifezeit und der Wintermonate
wird Bio-Stroh unter die Erdbeerpflanze gelegt, damit die
Früchte vor Feuchtigkeit geschützt werden. Außerdem
werden sie so bei Regen nicht mit Erde bespritzt. Die Strohgabe
dient auch als Schutz vor Schimmel.
Stielansatz erst nach dem Waschen entfernen
Die Lagerung von Erdbeeren ist wegen der empfindlichen und
verderblichen Früchte sehr schwierig. Beim Einkauf sollte
bereits darauf geachtet werden, daß die Erdbeeren nicht
überreif sind, aber auch keine grünen Stellen aufweisen.
Die Farbe ist jedoch kein Garant für süße
und aromatische Früchte. Um den Geschmack zu erhalten,
empfiehlt es sich, die Erdbeeren erst zu waschen und dann
von den grünen Blättchen und Stielansätzen
zu befreien.
Werden Erdbeeren in Schälchen angeboten, sollten sie
genau auf Druckstellen und Schimmel überprüft werden.
Zuhause können sie - ausgebreitet auf einem kleinen,
mit Küchenkrepp ausgelegten Tablett - im Kühlschrank
drei bis vier Tage aufbewahrt werden. Große Mengen an
Erdbeeren, die nicht innerhalb weniger Tage verzehrt werden,
können eingemacht oder eingefroren werden. Beim Auftauen
verlieren sie allerdings an Farbe und Geschmack. Zum Einfrieren
sollten die gewaschenen und geputzten Erdbeeren zunächst
auf einem Backblech angeordnet, einzeln vorgefroren werden.
Erst danach sollte man sie zusammen in einem Beutel oder einer
Schüssel einfrieren. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil,
daß die Erdbeeren nicht zusammenkleben und später
einzeln entnommen werden können.
Erdbeeren lassen sich gut mit Rhabarber, Apfel, Spargel oder
Avocado kombinieren und können mit Milchprodukten schnell
und einfach zu leckeren Speisen verarbeitet werden. Sie schmecken
als Marmelade, veredeln jeden Kuchen und dienen als farbenfrohe
Dekoration. Neben den Beeren finden auch die Blätter
für Tee Verwendung.
Bernd Trum
Erdbeer-Rezepte zum Genießen
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