Aus Lambert's Gartenfreund 1899
Die Erdbeere liefert uns die ersten Gartenfrüchte des Jahres. Sie ist
ihres verlockenden Aussehens, ihres herrlichen Aromas wegen beliebt bei
jung und alt.
Sie ist eine Volksfrucht geworden, die nicht bloß die Tafel des Reichen
ziert. Auch der Arbeiter pflanzt an seinem Hause auf beschränktem Raum
seines Gärtchens wohl einige Erdbeerbeetchen zur Freude seiner Kinder.
Es ist erfreulich, dieser Verbreitung der Erdbeerkultur feststellen zu können.
Auch die Massenzucht für den immer mehr steigenden Bedarf großer
Städte hat eine ungeahnte Bedeutung erlangt. Die Erdbeerpflanzungen
in den Bierlanden bei Hamburg, im Obstorte Werder bei Potsdam, in der Lößnitz
bei Dresden, in Kronberg bei Frankfurt a. M. erfreuen sich bereits einer
Berühmtheit als Erdbeersorte.
Es sind unglaubliche Mengen, die in guten Jahren abgesetzt werden. Kamen
früher die besten, großfrüchtigen
Sorten vom Auslande zu uns, so ist das auch anders damit geworden. Man zieht
jetzt bei uns in Deutschland Sorten,
die den besten englischen und französischen Züchtungen wenigstens
ebenbürtig sind, und verbessert die bereits vorhandenen von Jahr zu
Jahr, so daß oft als unübertroffen geltende Sorten nach einigen
Jahren durch Besseres überholt sind.
Jeder nicht zu schattige Garten, in welchem Gemüsebau oder Blumenzucht
betrieben wird, eignet sich auch zur Erdbeerkultur. Am meisten sagt den
Erdbeeren eine recht sonnige südliche Lage zu. Hier werden die Früchte
am wohlschmeckendsten und reifen am frühesten. In nördlichen
lagen gewinnen sie wohl an Größe, aber dies nur auf Kosten
des Wohlgeschmacks.
Zur Erdbeerzucht ungeeignet sind Plätze unter Bäumen, im Schatten
von Häusern oder Mauern. Hier gedeiht aber noch die Monatserdbeere,
die zwar nur kleine, der Walderdbeere ähnliche Früchte bringt,
diese jedoch in ununterbrochener Folge bis zum Herbst.
Man hat durch Züchtung und Kreuzung die Monatserdbeere in neuer Zeit
so verbessert, daß sie den großfrüchtigen einmal tragenden
nicht viel mehr nachsteht. Aber diese Sorten sind nicht so bescheiden.
Sie verlangen ebenfalls beste sonnige Lage und gute Pflege.
Die Erdbeere verlangt viel, sehr viel Nahrung. Man muß
also den Boden vor der Pflanzung reichlich düngen und tief
graben.
Schwerer Boden wird durch Düngung mit Pferdedung, durch Unterbringen
von Torfstreu, verrotteten Abfällen von Holz- und Zimmerplätzen,
wohl auch durch Sand oder Asche lockerer gemacht. Überdies bringt
man noch tüchtig Komposterde auf. Man mäste seien Erdbeerbeete
und wird erstaunt sein, welche Fruchtbarkeit sie entwickeln, welche Größe
sie erreichen werden, wenn man bei der Sortenwahl mit etwas Überlegung
und Glück zu Werke ging.
Auf Beete von 1 m Breite werden 2 Reihen großfrüchtiger oder
3 Reihen kleinfrüchtiger (Monats-) Erdbeeren gepflanzt. Die Pflanzung
wird im Verband ausgeführt, daß also die Erdbeeren so zu stehen
kommen, wie die Punkte veranschaulichen:
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Die Entfernung der Erdbeerpflanzen in den Reihen wechselt nach dem Wachstum
der einzelnen Sorten.
Während für schwachwachsende Sorten ein Abstand von 24 bis 30
cm genügt, müssen starkwachsende 50 - 60 cm voneinander entfernt
stehen. Man vergesse niemals, daß sich Erdbeerpflanzen in kurzer
Zeit zu starken Büschen entwickeln, und pflanze dann namentlich nicht
zu eng, wenn der Boden tiefgründig und reich an Nährstoffen
ist, denn in solchem gibt eine Pflanzung 4-6 Jahre lang bei guter Kultur
einen vollen Ertrag.
Wenn man es an der gehörigen Vorsicht und Pflege nicht fehlen läßt,
dann können Erdbeeren während des ganzen Jahres gepflanzt werden,
ausgenommen natürlich zu der Zeit, zu welcher der Boden gefroren
ist. In den weitaus meisten Fällen ist und bleibt aber das Frühjahr
die beste Pflanzzeit. Wenn es sich irgend ermöglichen läßt,
dann pflanze man die Erdbeeren in den Monaten April und Mai, sobald
die Bildung neuer Blätter beginnt.
In zweiter Linie empfehlen wir die Herbstpflanzung in den Monaten August
- September, man muß bei dieser die jungen Pflänzlinge
jedoch fest einpflanzen, denn sie werden sonst durch den Winterfrost aus
dem Boden gehoben und gehen zu Grunde. Nur wenn man Erdbeerpflanzen aus
großen Entfernungen beziehen muß, so daß dieselben länger
als 8 tage unterwegs sein müssen, dann gebe man der Herbstpflanzung
den Vorzug, denn im Herbst ist ja das Wachstum der Pflanze bei einem gewissen
Ruhepunkte angelangt, sie vertragen deshalb einen lange Transport ohne
Schaden, und das kühle nasser Wetter im Verein mit den tauspendenden
Nächten begünstigen das Anwachsen. Das Pflanzen der Erdbeeren
ist einfach, muß aber mit der nötigen Sorgfalt ausgeführt
werden.
Man bedient sich hierzu einer Pflanzkelle, einem kleinen, spatenartigen
Instrument, welches überhaupt jedem Gartenbesitzer unentbehrlich
ist. Nachdem die Wurzeln der Erdbeeren mit scharfem Messer etwas eingekürzt,
werden die entsprechenden
Pflanzlöcher gemacht. Es ist eine Hauptsache, daß die Wurzeln
nicht nur gerade in die Erde kommen, sondern auch nach allen Seiten gleichmäßig
verteilt werden. Nachdem die Erdbeerpflanze richtig und so tief in das
Pflanzloch gehalten, daß sie bis an die jungen Blätter in den
Boden kommt, wird die ausgehobene Erde wieder langsam in das Loch eingefüllt
und hierauf der Boden um die Pflanze herum mit der Hand etwas nachgedrückt.
Es sollen nur junge, pikierte und reich bewurzelte Pflänzlinge
verwendet werden. Nach der Pflanzung ist ein ausgiebiges Gießen
erforderlich, damit sich die Erde setzt und um die Wurzeln legt. Sollten
die Erdbeeren durch die Sonne welk werden, dann sind sie einige Tage durch
Bedeckung mit Blättern, belaubten Zweigen oder einem leichten Tuche
zu schützen.
Während des Sommers ist es erforderlich, daß die Pflanzung
frei von Unkraut und der Boden durch wiederholtes Behacken locker gehalten
wird. Die Erdbeerranken dürfen nicht immer gleich beim Erscheinen
entfernt werden, dadurch werden die Pflanzen nur zu noch weiterer Rankenbildung
veranlaßt und infolgedessen sehr geschwächt.
Man entferne die Ranken nach und nach und die letzten erst im Herbst,
wenn das Wachstum aufgehört hat. Zum Herbst können die Erdbeerbeete
mit verrottetem Mist belegt werden, der dann im Frühling mit untergegraben
wird. Zum zweiten und dritten Jahre gibt die Erdbeerpflanzung den höchsten
Ertrag.
Die Zahl der Erdbeersorten ist sehr groß, wir können deshalb
hier nur einige der besten beschreiben, dies genügt aber, da es besser
ist, wenn der Pflanzenfreund sich nur mit der Zucht weniger, aber vorzüglicher
Erdbeersorten befaßt.
Von Sorten empfehlen wir nur das allerbeste. Unser Sortiment wird jeden
vollständig befriedigen.
I. Einmal tragende.
- Avantgarde, allerneueste, von außergewöhnlicher
Frühreife. Fleisch rot mit rosa, äußerst reichtragend.
- Baumeister Limburger. Frucht sehr groß, leuchtend rote
Frucht, Fleisch fest, aromatisch, zum Versand geeignet.
- Belle Aliance. Neu. Verbesserung von König Albert. Übertrifft
alle Sorten an Wohlgeschmack, Ergiebigkeit und Aroma.
- Cardinal, mittelfrüh, köstliches Aroma, scharlachrot,
Fleisch weiß.
- Helgoland. Fleisch weißrosa, sehr reichtragend, Frucht
frei über dem Lande stehend.
- Kaiser Wilhelm II. Neu. Sämling von Noble, reift jedoch
früher und ist im Geschmack kleiner.
- König Albert von Sachsen. Sehr bekannte und beliebte Sorte.
Frucht groß., breit, aromatisch, sehr reichtragend. Liebt kräftigen,
sandigen Lehmboden.
Laxtons
Noble. Bekannteste Massensorte, allerfrüheste, schöne
Form, karmesinrot, köstlicher Wohlgeschmack. Eine der ertragreichsten
Sorte, die sich überall als sehr widerstandsfähig erwiesen
hat.
- Leo XIII. Neu. Hat leuchtend rote schöne Früchte
und vorzüglichen Geschmack. Sehr haltbar.
- Louis Gauthier. Frucht groß von hellrosa Farbe, sehr
saftig und aromatisch. Eine der wohlschmeckendsten Sorten. Liefert an
den Ausläufern im August noch Früchte. Zum Anbau im Großen
zu empfehlen.
- Royal Sovereign. Neu! Leuchten scharlachrote Frucht, Fleisch
weiß, fest, köstlich, besonders reichtragend.
- Walluff (Jucunda), Tafel, Markt - und Konservenfrucht I. Ranges.
Für Massenanbau besonders zu empfehlen.
II. Remontierende Sorten.
- Sanct Joseph. Reichtragend, den ganzen Sommer mit Blüten
und Früchten bedeckt. Frucht leuchtend rot, Fleisch rosa, Geschmack
vorzüglich. Eine der frühesten Sorten und trägt bis in
den Spätherbst, so daß der Schnee noch eine Menge Fruchtansatz
bedeckt. Wir ernteten von diese Sorte noch Ende Oktober große,
vollkommen ausgebildete reife Früchte.
- Sanct Anton von Padua. Diese Neuheit wird als eine Verbesserung
der immertragenden Sanct Joseph empfohlen. Die Früchte stehen über
dem Lande, sind größer, festfleischig, haltbar und von ausgezeichnetem
Geschmack.
III. Monatserdbeeren.
Wie schon erwähnt, nehmen die Monatserdbeeren auch mit weniger günstiger
Lage vorlieb und bringen da noch befriedigende Erträge, wo die großfrüchtigen
Sorten nicht mehr gedeihen. Selbstredend sind sie für günstige
Lage und gute Pflege, namentlich für Düngung, sehr dankbar.
Sie tragen von der erstem Erdbeerwoche bist zum Herbst. Ihre Früchte
besitzen das kräftige Aroma der Walderdbeere, weshalb sie sich für
Bowlen besonders eigenen. Eine Erdbeerbowle im Herbst ist etwas Köstliches.
Die rankenlosen verwendet man mit Vorliebe zur Einfassung der Gartenwege
in Obst- und Gemüsegärten. Dieser erzieht man aus Samen, den
man ist Mistbeet sät.
Besonders zu empfehlen sind die Sorten:
Verbesserte rote Monatserdbeere ohne Ranken.
Verbessert weiße , ohne Ranken.
Belle de Meaux. Sehr reichtragend, süß, sehr groß.
Außer zum Rohgenuß als erfrischenden, gesunden Nachtisch,
verwertet man die Erdbeere zu Erdbeersaft, Erdbeerwein und Liqueur, ferner
zu Erdbeergelee und Erdbeermarmelade, oder macht sie als sogenannte Dreifrucht
mit Johannis- und Himbeeren zu Kompott ein. Den besten Genuß aber
hat man an der frischen Frucht.
Zum Schutz gegen Beschmutzen der Früchte und gegen Schnecken umlegt
man die Erdbeerstöcke kurz vor der Reife mit feiner Holzwolle.
Zum Treiben in mäßig warmen oder kalten Mistbeeten wählt
man frühe Sorten mit mäßiger Blattentwicklung wie Laxtons
Noble, nimmt kräftige, gesunde Pflanzen, die nie älter als ein
Jahr sein dürfen, also in der Vollkraft ihrer Entwicklung stehen,
ohne verholzt zu sein , setzt sie im August in die dafür bestimmten
Kästen in eine [...]
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